Diesen Status habe ich heute Nachmittag auf Facebook veröffentlicht.
Nicht mehr als die Feststellung, dass die aktuelle Mode auf
dem Straßenstrich nicht allzu weit von dem entfernt ist, was viele junge
Frauen in der Freizeit tragen: knappe, eng anliegende, durchsichtige
Kleidung und High Heels. Es scheint, als würden
Prostituierte und Nicht-Prostituierte in dieser Saison in
denselben Läden shoppen. Optimistisch betrachtet könnte das für
Prostituierte bedeuten, dass das Ansehen ihres Jobs in der Gesellschaft - womöglich gar dank
YouPorn - gestiegen ist. Ihre Dienstklamotte finden sie inzwischen nicht mehr nur in überteuerten Sexshops in dreckigen Gegenden, sondern
in den Casual Dress-Sparten von
Forever 21 und
H&M.
Pessimistisch betrachtet ist derzeit eine Art Weiblichkeit hip, die
immobilisiert: wegrennen, anpacken, oft auch
nur ein paar Meter gehen - ist in
solchen Hacken nicht.
Dabei habe ich nichts gegen hohe Schuhe. Ich
besitze selbst diverse Paare und trage sie zu besonderen Anlässen (!) in
Innenräumen (!) gerne. Kombiniert zu Kleidungsstücken, von denen ich mir
einbilde, sie seien stilvoll. Stilvoll à la
Carolyn Bessette, nicht
Katie Price.
Kurzes Unterteil
oder schulterfrei. Eng oben-
oder untenrum. "Ordentlich" halt und ein bisschen so wie beim Schminken: Wenn es neben der
Drei-Farben-Regel, an die ich mich praktisch nie halte, überhaupt etwas
gibt, das ich aus Modezeitschriften gelernt habe, dann, dass frau den Mund
oder die Augen schminkt. Geiz ist geil - außer an Fasching.
Es geht mir dabei überhaupt nicht darum, uns den Spaß an modischer Selbstverwirklichung zu verderben. Es geht mir darum, ein Bewusstsein für die
eigenen Bedürfnisse und Beweggründe zu schaffen. Was genau finde ich an
meinem Outfit gut? Fühle ich mich in meiner Kleidung sicher und frei?
Lange vorbei sind die Zeiten, in denen ich Paris Hiltons unterhosenloses
Aussteigen aus einem Taxi als feministischen Akt fehlgedeutet habe. In
denen ich mir Pole Dancing als Trendsportart hätte verkaufen lassen.
Grundsätzlich muss klar sein, dass keine Klamotte Anmachen oder dumme
Sprüche legitimiert. Auch nicht, wenn es sich bei der Frau um eine
Prostituierte handelt. Egal wie "nackt", "billig" oder sexy eine Frau
auf der Straße aussehen mag, verbale oder körperliche Übergriffe sind
niemals
gewollt, erwünscht oder auch nur okay. Leider weiß ich aus eigener
Erfahrung, dass selbst eine halbstündige
ÖPNV-Fahrt in einem Spaghettiträger Top und einer langen Hose viele
Männer dazu animiert, mir ihre Meinung über mein Aussehen mitzuteilen.
Will ich nicht hören. Hat mit Komplimenten nichts zu tun, nur mit mangelnder Impulskontrolle und
Grenzüberschreitung. Wir alle müssen tragen dürfen, was wir wollen, ohne deswegen bedrängt zu werden. Deshalb unterstütze ich Initiativen
wie den
Slutwalk und
Hollaback.
Ein freizügiges Outfit aus Spaß zu tragen unterscheidet sich nämlich grundlegend
davon, es für den Lebensunterhalt zu benötigen. Nur die wenigsten Prostituierten haben sich ihren Berufsweg
gewünscht. Ich möchte also, dass die jungen Frauen, die sich nicht prostituieren müssen, ihre Wünsche überdenken. Damit sie schnell genug wegrennen können, wenn es drauf an kommt.